Flexible Ladenöffnungszeiten

Unsere Position

„Wir wollen flexible Ladenöffnungszeiten ermöglichen: Jedes Geschäft soll demnach selbst entscheiden können, wann es öffnet und schließt. Auch das Arbeitsverbot an Sonn- und Feiertagen ist antiquiert und soll durch eine Regelung mit flexiblen Mindesturlaubstagen ersetzt werden.“

Hier geht’s zum Beschluss

Unsere Argumentation

Das Einkaufsverhalten und Arbeitsverhalten der Menschen hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Heute kaufen Menschen nicht mehr nur in den Innenstädten ein, sondern nutzen auch die Möglichkeiten der Digitalisierung um ihre Produkte Rund um die Uhr und 7 Tage die Woche online zu erwerben. Wir Jungen Liberalen setzen uns dafür ein, dass in einer Welt in der nonstop Einkaufen im Netz möglich ist, durch die Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten ein fairer Wettbewerb zwischen verbraucherfreundlichen Einzelhandel und Onlinehandel ermöglicht wird. Auch die Läden in den Innenstädten sollen dann öffnen können, wenn der Kundenandrang am stärksten ist. Wir möchten dadurch das Sterben von Innenstädten verhindern, ermöglichen es, dass Jobs vor Ort erhalten bleiben und setzen uns für lebendige und attraktive Städte mit vielen Geschäften ein.

Ökonomen sind sich darüber hinaus nahezu einig, dass die Liberalisierung nicht nur vor Ort, sondern auch auf die gesamte Volkswirtschaft bezogen, sowohl für das Wirtschaftswachstum, als auch für die Beschäftigungsquote großes Potential bietet. Die Mehrzahl der Arbeitsplätze dabei entsteht dadurch, dass für jede Stunde, an dem ein Laden geöffnet hat, eine Mindestanzahl an Verkäufern vor Ort sein muss. Je länger folglich ein Laden geöffnet hat, umso mehr Arbeitsleistung fragt dieser nach und desto mehr Beschäftigte muss er einstellen. Wirtschaftswachstum wird dadurch geschaffen, dass durch längere Öffnungszeiten mehr Läden geöffnet haben und die Umsätze den bestehenden Geschäften in der Regel höher waren, da Menschen zu den Zeiten einkaufen konnten, an denen sie am meisten Zeit zum Einkaufen waren und häufig entsprechend auch in besserer Kauflaune. Für alle hier beschriebenen Effekte gibt es empirische Evidenz.

Darüber hinaus bieten die zusätzlichen Ladenöffnungszeiten einen Gewinn an Lebensqualität für all diejenigen, deren Arbeitstage nicht beamtenmäßig-ordentlich ablaufen: Wer täglich Überstunden schieben muss oder zwei Jobs braucht um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, dem bleibt oft nur das Wochenende um Einkäufe zu erledigen. Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten am Wochenende ist demnach eine Regelung, die viel besser zu den Lebensrealitäten vieler Menschen passt, als dies bei den derzeitigen, antiquierten Regelungen der Fall ist.

Auch für Angestellte im Einzelhandel und deren Dienstleister kann eine Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten unter Umständen sogar einen Gewinn darstellen: Hierbei gilt, weder durch flexiblere Ladenöffnungszeiten noch durch das Wegfallen des Arbeitsverbotes an Sonn- und Feiertagen müssen die Angestellten mehr arbeiten. Die Mehrarbeit an Sonn- und Feiertagen sind im Gegenteil durch flexible Urlaubstage und Ausgleichsgleitzeit zu kompensieren. Daraus ergib sich, dass zum Beispiel ein Verkäufer, der am Sonntag 8 Stunden lang gearbeitet hat, als Ausgleich hierfür an einem anderen Tag frei bekommt. An diesem Tag kann er dann beispielsweise Behördengänge erledigen,  einen Tag länger in den Schulferien auf seine Kinder aufpassen, Besorgungen in Ruhe und nicht zu den Stoßzeiten erledigen oder Arzttermine wahrnehmen. Er muss hierfür keinen zusätzlichen Urlaubstag nehmen. Wir Jungen Liberalen glauben, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen eine flexible Lösungen ausarbeiten können, die sowohl berücksichtigt, wann Konsumenten am liebsten einkaufen gehen und der Lebensplanung der Verkäuferinnen und Verkäufer entgegen kommt. Wer, wann arbeiten darf oder seinen Laden öffnen darf, soll die freie Entscheidung der einzelnen Menschen und Unternehmen und nicht die Entscheidung des Staates.

Die Möglichkeit, es Läden freizustellen auch am Sonntag die Ladentüren zu öffnen, soll ferner den Tourismusstandort Deutschland attraktiver machen. Gerade grenznahe Regionen, wie zum Beispiel die Bodenseeregion, würden stark davon profitieren, wenn auch Sonntags die Geschäfte geöffnet haben könnten, da belebte Innenstädte gerade am Sonntag Touristen aus dem In- und Ausland anziehen.

Zahlen, Daten, Fakten

  • Die Mehrheit der Deutschen will Geschäften mehr Flexibilität für Einzelhändler die Öffnungen an Sonntagen. In einer Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ sprachen sich 61 Prozent dafür aus, dass Händler selbst darüber entscheiden sollten, ob sie sonntags öffnen oder nicht.
  • Die Regulierung der Ladenöffnungszeiten obliegt der Bundesländer und Gemeinden. Dadurch entsteht ein Flickenteppich an Regulierungen der schwer zu durchschauen ist und einzelnen Bundesländern strategische Vorteile verschafft:
    • Montag – Samstag von 0-24 Uhr: Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfahlen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg
    • Montag – Freitag von 0-24 Uhr und Samstag von 0-22 Uhr: Rheinlandpfalz, Sachsen
    • Montag – Freitag von 0-24 Uhr und Samstag von 0-20 Uhr: Thüringen, Sachsen-Anhalt
    • Montag – Samstag von 6-22 Uhr: Mecklenburg-Vorpommern
    • Montag – Samstag von 6-20 Uhr: Bayern, Saarland
    • Generell sind bis zu 4 verkaufsoffene Sonntage erlaubt (außer in BW:3, in Berlin: 10 und in Brandenburg bis zu 6).

Gegenargumente

„Der Sonntag soll Ruhetag bleiben und dient der Besinnung und der Entschleunigung“

  • Besinnung lässt sich nicht erzwingen, und es werden auch nicht mehr Menschen zur Ruhe kommen (geschweige denn in die Kirche), wenn man nicht Einkaufen darf. Die Sonntagsruhe ist folglich nicht dadurch gefährdet, dass der Sonntagseinkauf verwehrt wird.
  • Während Kirchen unter der Woche zumeist verschlossen sind, öffnen Fitnessstudios oft rund um die Uhr. Sie reagieren damit auf flexiblere Ansprüche und Arbeitszeiten. Die Kirchen aber versuchen den Sonntag für sich zu vereinnahmen und erheben ein Monopol auf den Sonntag: Der zentrale Gottesdienst findet sonntagmorgens statt. Punkt. Die Antwort der Kirchen auf die Ladenschlussliberalisierung sollten stattdessen endlich liberalere Gottesdienstzeiten sein.

„Sonntagsöffnungszeiten bedeuten, dass Angestellte keine Zeit mehr für die Familie haben“

  • Der Sonntag dient der Arbeitsruhe und dem miteinander zusammen sein. Er soll das gemeinschaftliche, gesellschaftliche Leben ermöglichen. Das würde dadurch zerstört.
  • Erfahrungen zeigen, dass die Mitarbeiter keine Angst vor flexiblen Arbeitszeiten haben. Höhere Bezahlung und ausgeklügelte Arbeitszeitmodelle, die insbesondere den Bedürfnissen unterschiedlicher Mitarbeiter gerecht werden, stellen für Mitarbeiter und Unternehmer sicher, dass durch längere Öffnungszeiten besser gewirtschaftet werden kann.
  • Die Mehrarbeit an Sonn- und Feiertagen sind im Gegenteil durch flexible Urlaubstage und Ausgleichsgleitzeit zu kompensieren. Daraus ergib sich, dass zum Beispiel ein Verkäufer, der am Sonntag 8 Stunden lang gearbeitet hat, als Ausgleich hierfür an einem anderen Tag frei bekommt. An diesem Tag kann er dann beispielsweise Behördengänge erledigen, einen Tag länger in den Schulferien auf seine Kinder aufpassen oder mit den Kindern Arzttermine wahrnehmen. Er muss hierfür keinen zusätzlichen Urlaubstag nehmen. Durch flexiblere Arbeitszeiten können Doppelverdiener-Haushalte und Alleinerziehende unter Umständen sogar mehr Zeit für ihre Kindern oder ihre erledigen haben; auch wenn dies bedeuten kann, dass Angestellte unter Umständen an dem ein oder anderen Sonntag auf ein Fußballspiel verzichten müssten.
  • Sonntagsarbeit ist in vielen Branchen, zum Beispiel der Gastronomie, aber auch an Tankstellen und im Gesundheitsweisen gang und gebe. In der Gastronomie wird die Stammmannschaft häufig durch studentische Nebenjobber unterstützt. Dadurch kann der ein oder andere Festangestellte auch am Sonntag zu Hause bleiben, während Studenten eine weitere Möglichkeit haben, sich ihr Studium zu finanzieren.

„Die Öffnungszeiten pendeln sich nicht von alleine ein und müssen deshalb reguliert werden“

  • Die Supermarkt-Kette „Kaufland“ etwa hat nach der Liberalisierung der Öffnungszeiten an Werktagen in NRW nach rund einem Jahr ihren Ladenschluss von 24 auf 22 Uhr vorverlegt.

„Es gibt keinen positiven Effekt der Liberalisierung auf den Umsatz oder den Gewinne.“

  • Laut Verdi-Sprecher Isemeyer sei es zudem ein Trugschluss, dass mehr Menschen einkaufen würden, wenn sonntags geöffnet wäre. „Die Menschen kaufen nur einmal ein, das ist bewiesen.“
  • Die empirische Evaluierung des Effekts der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten auf den Umsatz ist wesentlich komplexer. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Menschen nicht einen fixen monatlichen Betrag ausgeben, sondern das die Kauflaune von Konsumenten auch davon abhängt, wie gestresst Konsumenten beispielsweise sind. Im Allgemeinen spricht aber die Datenlage dafür, dass der Umsatz durch eine Deregulierung steigt.