Qualitätsoffensive für die Lehrerbildung

Die Jungen Liberalen fordern eine Neuausrichtung des Lehramtsstudiums für alle
Schultypen.

Dafür soll das Lehramtsstudium zu einem fünfjährigen dualen Studiengang umstrukturiert werden. Dabei sollen die theoretischen Bausteine des Universitätsstudiums reduziert und durch größere Praxisanteile ersetzt werden. Das Studium orientiert sich an einer Dauer von 4 Jahren und wird mit dem Ersten Staatsexamen abgeschlossen. Eine Differenzierung der Studienzeiten nach Lehramt ist möglich. Das Zweite Staatsexamen wird nach einem anschließenden, einjährigen
Referendariat erworben und damit verbunden die uneingeschränkte Lehrbefähigung. Deshalb streben wir in solchen Fällen eine Anpassung der fachwissenschaftlichen Inhalte hinsichtlich der Orientierung an den Kernlehrplänen an. Die Universitäten sind dazu angehalten, mehr gezielte Vertiefungen von Unterrichtsinhalten in ihr Lehrangebot aufzunehmen. Der Umfang von Fachdidaktik und Bildungswissenschaften sollte in einem angemessenen Verhältnis zu dem der Fachwissenschaften stehen. Die Inhalte der fachdidaktischen Bildung sollten darüber hinaus strikt evidenzbasiert gelehrt werden. Ideologische Lehrkonzepte wie der Zwang zum problemorientierten, entdeckenden Lernen oder das sog. “Schreiben nach Gehör” lehnen wir ab. Darüber hinaus sollten Elemente des Schulrechts Eingang in die Bildungswissenschaften finden.

NIE WIEDER PRAXISSCHOCK DURCH PRAXISNAHE AUSBILDUNG

Die meisten Absolventen und Studierenden des Lehramtsstudiums beklagen einen mangelnden Praxisbezug in ihrer Ausbildung. Deshalb wollen wir jegliche kurzzeitigen Praktika und Praxissemester durch eine durchgängige studienbegleitende Praxisausbildung ersetzen. Die Studierenden sollen parallel zu ihrem Studium bereits durchschnittlich an einem Wochentag und in den Semesterferien an einer Schule tätig sein und sollen dafür auch entsprechend Credit Points erhalten. Diese setzen sich sowohl aus der Präsenzzeit an den Schulen als auch aus den Bewertungen für regelmäßige Lehrproben zusammen. Die praktische Ausbildung soll durch Module ergänzt werden, in denen das Auftreten vor der Klasse geschult werden soll, insbesondere im
Hinblick auf Rhetorik, Körperhaltung und der Fähigkeit flexibel auf Unterrichtstörungen zu reagieren.

Die Studieninteressierten durchlaufen ein auf die Anforderungen des Lehrerberufes zugeschnittenes Aufnahmeverfahren an ihrer Universität und ihren Ausbildungsschulen. Das Bildungsministerium soll dabei lediglich als Vermittler zwischen Bewerbern und Schulen fungieren. Die Entscheidung über die Einstellung und damit Ausbildung eines Lehramtsstudierenden treffen die Schulen selbst. So ermöglicht man den Schulen eine eigenständige Personalplanungspolitik und stellt eine bedarfsgerechte Ausbildung in den jeweiligen Fächern sicher. Die Studierenden sollen während ihres dualen Studiums eine Vergütung erhalten. Dadurch wird das Lehramtsstudium deutlich attraktiver und dem Weggang, besonders aus dem ländlichen Raum, entgegengewirkt.

Während ihrer praktischen Ausbildung sollen die Studierenden durch Mentorinnen und Mentoren aus dem Kollegium der Ausbildungsschule kontinuierlich an die Lehrtätigkeit herangeführt werden. Beginnend mit der Hospitation von Unterricht und der Unterstützung der Mentorinnen und Mentoren durch Hilfsarbeiten sollen die Studierenden am Ende ihres Studiums in der Lage sein, Unterricht selbstständig planen und durchführen zu können. Dabei sollen sie aber stets unter der Aufsicht ihrer Mentorinnen und Mentoren stehen. Die betreuenden Lehrkräfte sind vorab für dieses Mentoring zu qualifizieren und sollen für ihre Tätigkeit auch entsprechend besser finanziell entlohnt werden. Ab dem zweiten Studienjahr sollen die Studierenden die Möglichkeit haben, als Vertretungslehrer eingesetzt zu werden. Die hier zusätzlich geleisteten Stunden sind entsprechend zu vergüten.

RELAUNCH FÜR DAS REFERENDARIAT

Im Anschluss an das erste Staatsexamen folgt als letzter Ausbildungsabschnitt des dualen Studiums das zweijährige Referendariat. In dieser Phase sammeln die angehenden Lehrerinnen und Lehrer neben Erfahrungen im selbstständigen Unterrichten auch weiterführende Kompetenzen in anderen Bereichen des Schulalltags wie der Klassenleitung oder dem Schulmanagement.

LEBENSLANGES LERNEN AUCH FÜR LEHRERINNEN UND LEHRER

Gerade für Lehrerinnen und Lehrer darf die Ausbildung nicht mit dem zweiten Staatsexamen enden. Deshalb sollen sie verpflichtet werden, jährlich in den Ferien, an Wochenenden oder anderen unterrichtsfreien Zeiten eine insgesamt einwöchige Fortbildung zu besuchen. In diesem Bereich müssen verstärkt auch onlinebasierte Angebote bereitgestellt werden. So können sich auch interessierte Lehrerinnen und Lehrer zeit- und ortsunabhängig freiwillig weiter fortbilden.

Darüber hinaus ist der Unterricht einmal pro Schulhalbjahr durch einen Vertreter eines Gremiums bestehend aus Wissenschaftlern, externen Lehrkräften und Beauftragten der Schulträger zu evaluieren. Dadurch wird der Austausch zwischen den Schulen intensiviert.