Grundsätze der Jungen Liberalen zur Forschungs- und Technologiepolitik

Die Jungen Liberalen verstehen unter Forschungs- und Technologiepolitik eine Politik, die aus den Chancen neuer Technologien das Wohl der gesamten Bevölkerung zu mehren versucht. Eine solche Politik ist sich bewusst, dass die Chancen auch immer mit Risiken verbunden sind. Deshalb gilt es, den Informationsaustausch der an den neuen Technologien Beteiligten und der Bürger optimal zu gestalten.

Im Bereich der Wissensgewinnung muss der Wissenschaftler einen möglichst breiten Freiraum haben, während im Bereich der Anwendung die Interessen unterschiedlicher Gruppen in der Weise koordiniert werden müssen, dass die Anwendung neuer Technologien das damit verbundene Risiko minimiert. Die Grenzen des technischen Fortschritts sind dort erreicht, wo die Menschenwürde, die soziale Gerechtigkeit und die natürlichen Lebensgrundlagen gefährdet sind.

Die Anwendung "Neuer Technologien" kann in der hochindustrialisierten Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland einen grundlegenden Beitrag zur Schonung der knappen Ressourcen und der bisher geschädigten Umwelt leisten. Menschengerechte Lebens- und Arbeitsbedingungen gehen als Konsequenzen mit einher. In einer hochgradig arbeitsteiligen Industriegesellschaft ist der Einsatz neuer Technologien und Techniken gleichzusetzen mit der

Verbesserung internationaler Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Leistungsfähigkeit.

  1. Realisierungsstrategien

2.1. Nutzung des kreativen Potenzials durch Freiheit in der Grundlagenforschung

Die Nutzung des kreativen Potenzials für die Grundlagenforschung ist aus Sicht der Jungen Liberalen garantiert durch die Freiheit und damit Selbstverantwortung der Wissenschaft. Die Freiheit der Forschung und Lehre ist Basis, dass Forschung und Wissenschaft grundlegende Beiträge und Einsichten liefern, die den Erhalt einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft sicherstellen.

  • Im Bereich der Grundlagenforschung ist eine finanzielle Unterstützung des Staates unverzichtbar für deren Erfolg. Dabei ist direkte Projektförderung zu favorisieren.

  • Die in der Verfassung niedergeschriebenen Grundwerte unserer Gesellschaft bilden die ethischen und moralischen Grenzen für die Freiheit der Grundlagenforschung.

  • Die Vielfalt der Grundlagenforschung sichert Überlebenspotenziale unserer Gesellschaft.

  • Die Rolle des Staates innerhalb der Grundlagenforschung ist restriktiv zu handhaben.

Bürokratie und verwaltungstechnische Abläufe behindern und verhindern notwendige Forschungsarbeiten. Der Selbstantrieb und Eigenwert der Forschung muss sich frei entfalten können. Kreativität darf nicht zerwaltet werden.

Forschungs- und Technologiepolitik darf sich nicht nur auf wirtschaftliche und technische Bereiche beziehen, sondern muss Geistes- und Sozialwissenschaften integrieren.

Die Forschungs- und Technologiepolitik der Bundesrepublik Deutschland kann ihre Ziele nur erreichen, wenn sie nicht national isoliert, sondern europäisch betrieben wird.

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2.2. Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Die Ausgestaltung der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, zwischen Theorie und Praxis, ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen FuT-Politik und damit zur Erreichung forschungspolitischer Ziele.

Die Anwendung neuer Technologien in der Wirtschaft spielt die zentrale Rolle für deren Erfolg. Die Jungen Liberalen sehen daher eine Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft in sachlicher, folgreichen Einsatzes neuer Technologien an.

Die Universität und Fachhochschulen sind Schrittmacher der technologischen Entwicklung.

  • Verstärkung des Technologietransfers und damit des Informationsaustausches zwischen Universitäten und Großforschungseinrichtungen und der Industrie, durch einen wechselseitigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch, z. B. mit Hilfe wissenschaftlicher Datenbanken können neue Innovationspotenziale erschlossen werden.

Forschung per se entsteht aber auch aus kulturellem Eigenantrieb und soll die Erweiterung und Vertiefung wissenschaftlicher Erkenntnisse verfolgen.

Das forschungs- und technologiepolitische Zielsystem der Bundesrepublik Deutschland muss, in einer Zeit, die geprägt ist von trendbruchartigen Veränderungen in Technik, Markt und Gesellschaft, einen richtungsweisenden Stellenwert erhalten.

Für die Jungen Liberalen sind Forschung und Technologie von herausragender Bedeutung für die weitere Entwicklung von Kultur, Entfaltung und Sicherung menschlicher Lebenschancen, sowie für die Lösung aktueller Probleme und die Bewältigung der Zukunftsaufgaben. Grundlage einer effizienten FuT-Politik kann nach Ansicht der Jungen Liberalen nur eine ökologische Marktwirtschaft sein, weil in ihr die Privatinitiative und unternehmerische Eigenverantwortung unter der Prämisse ökologischer Zielsetzungen zur Geltung kommen. Technischer Fortschritt ist unzertrennbar verbunden mit ökologischem Fortschritt.

Für die Industriegesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, deren wertvollste Ressource das menschliche Know-how darstellt, ist der technische Fortschritt aber von weit umfassenderer Bedeutung.

Forschung und technischer Fortschritt dürfen aber nicht nur aus übergeordneten Zielen entstehen, sondern müssen und können zu einem großen Teil aus Eigenantrieb entstehen. Die Rolle des Staates, wie sie im liberalen Verständnis der ökologischen Marktwirtschaft impliziert ist, ist auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

  • Förderung der personellen Mobilität zwischen Mitarbeitern der Wissenschaftseinrichtungen und der Industrie. Die gezielte und unbürokratische Drittmittelforschung ist zu forcieren. Die Auftragsforschung von Seiten der Industrie und deren sachliche und vor allem finanzielle Unterstützung kann eine Belebung der Universitäten bedeuten, wenn weiterhin eine ausreichende staatliche Finanzierung gesichert ist.

  • ie Verbundsforschung zwischen kleinen und mittleren Unternehmen stellt einen Beitrag innerhalb der Forschung dar, der neue Forschungskapazitäten erschließen und Doppelforschungen vermeiden kann.

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Dezentrale Forschungseinrichtungen außerhalb der Grundlagenforschung sind zentrale Forschungseinrichtungen vorzuziehen. Technologiezentren und Technologiekontaktstellen können nur optimal ihre Aufgaben realisieren, wenn die entsprechende Anpassung an strukturelle, regionale Bedingungen, d. h. u. a. die Existenz bestimmter Fachrichtungen bzw. Lehrstühle aus dem wissenschaftlichen Bereich vorhanden sind. Die Privatinitiative vom Management solcher Zentren ist der kommunalen Verwaltung vorzuziehen.

  • Eine Neuordnung und -organisation der Forschungsförderung und -tätigkeit in der Bundesrepublik erfordert keine zusätzlichen öffentlichen Finanzmittel. Im Mittelpunkt muss vielmehr die Stärkung der unternehmerischen Gestaltungskraft und Individualität bei Forschung und Entwicklung stehen, die die notwendige Kreativität und Qualität gewährleistet.

2.3. Technikfolgeabschätzung und Aufklärung

Junge Liberale sehen auch die Risiken, die mit neuen Technologien und deren Einführung und Anwendung verbunden sind. Die Minimierung der Risiken, ohne Schmälerung der Chancen, bedeutet Technikfolgeabschätzungen und umfassende, vorausschauende Aufklärung aller Beteiligten. Beide Instrumente sind integraler Bestandteil liberaler Forschungs- und Technologiepolitik.

Die Chancen der technologischen Entwicklung können nur in Verbindung mit dem Bewusstsein um Risiken einen entscheidenden Beitrag zum Überleben unserer Gesellschaft liefern.

Die Information Betroffener gerade am Arbeitsplatz muss der Einführung neuer Technologien vorangehen.

Fragen der Mitbestimmung, insbesondere der betrieblichen Mitbestimmung sind neu aufzuwerfen und zu beantworten. Die Einführung neuer Techniken soll nicht prinzipiell verhindert, aber für die Arbeitnehmer akzeptabel gestaltet werden. Sinn und Zweck von

Flexibilität und Automatisierung sind den Erwerbstätigen verständlich zu machen.

  • Technikfolgeabschätzungen müssen in allen Fällen Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen erhalten. Auswirkungen auf natürliche Ressourcen sind in ihren Konsequenzen umfassend, öffentlich darzulegen.

  • Technik und Arbeitnehmer sowie Umwelt bilden keinen Gegensatz, sondern sind im wechselseitigen Miteinander zu betrachten. dazu ist eine frühzeitige Aufklärung der Bürger, insbesondere der Jugendlichen, zu gewährleisten. Der vernünftige Umgang mit der Technik wird gerade deren Leben weitgehend bestimmen, deshalb ist hier eine Erklärung von Sinn und Zweck, von Chancen und Risiken.

2.4. Sicherung der Wandlungsfähigkeit der Gesellschaft

Um die Wandlungsfähigkeit der Gesellschaft zu garantieren, muss liberale Forschungs- und Technologiepolitik einer Vielzahl von Kriterien gerecht werden. Die neuen Technologien dürfen nicht zum Zusammenbruch unseres Wertesystems und unserer tradierten Ordnung führen, sondern sollen unsere Lebensqualität erhöhen.

Der Zusammenhang zwischen technologischem Entwicklungsprozess und dem gesellschaftlichen Wandel lässt sich an folgenden Punkten deutlich machen.

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2.4.1. Flexibilität der Gesellschaft

Zur Sicherung der Lebensqualität werden wir unsere Gesellschaft flexibler gestalten.

  • Benutzung der "technologischen Revolution" zum Aufrechnen des Wertes "Arbeit" ist zu personifizieren, d. h. jeder Einzelne und nicht die Gesellschaft, entscheidet über den Wert seiner Arbeit.

  • Eröffnung der Chancen sinnvoller Freizeitgestaltung

Das kreative Potenzial soll stärker in gesellschaftliche Prozesse umgesetzt werden.

2.4.2. Bildung

Die neuen Technologien stellen eine Herausforderung an unser Bildungssystem dar. Der Transfer von Ergebnissen aus der Forschung ins Bildungssystem macht Veränderungen nötig:

  • Das Lehren von "Lebenslanglernen" statt "Einmalerworbenes Wissen".

  • Erlangung von fächerübergreifenden Qualifikationen.

  • Den veränderten Anforderungen in der Arbeitswelt entsprechende Qualifikationen.

  • Umorientierung der schulischen und universitären Curricula in Bezug auf den Wandel zur Informationsgesellschaft.

  • Bildung muss als Mittel verstanden werden die technologischen Veränderungen zu steuern und zu kontrollieren.

2.4.3. Frei-/Arbeitszeit

  • Die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien verändern auch den privaten Bereich. Gerade hier müssen wir verhindern, dass die Veränderungen zu Kommunikationsstörungen zwischen den Menschen führen. Die soziale Isolation darf nicht noch größer werden.

  • Kommunikationssysteme dürfen nur als Werkzeug dienen, die Freizeit kreativer und Arbeitszeit effektiver zu gestalten. Als Ziele sind anzusehen, die Arbeitszeit langfristig zu verkürzen (für alle!) und die freie Zeit zu verlängern.

  • Die Arbeit darf nicht mehr als oberste Forderung im Leben stehen. Die neuen Technologien ermöglichen uns ein arbeitstechnisch leichteres Leben und stärken Hinwendung auf andere gesellschaftliche Bereiche, die mehr Selbstverwirklichung und Eigenbestimmung für den Einzelnen bringen.

  • Der Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Bevölkerungsstruktur zeigt deutlich, dass wir neue Technologien brauchen, um nicht mehr als heute in der Zukunft arbeiten zu müssen.

2.4.4. Innovation und Arbeitsplätze

  • Eine Sicherung von Arbeitsplätzen kann nur erreicht werden, wenn die Erträge aus diesen höher sind, als die erforderlichen Aufwendungen. Um dies zu verwirklichen sind Innovationen in z. B. folgenden Bereichen notwendig:

  1. In neue Produkte und Dienstleistungen

  2. In neue Produktionsprozesse

  3. In neue Serviceangebote

  4. In neue Organisationsformen

  • Durch die Ausnutzung von kreativen Innovationspotenzialen erhalten wir die Arbeitsplätze.

  • Um Innovationspotenziale sinnvoll umzusetzen, müssen jedoch Änderungen der Arbeitsprozesse und -plätze in Kauf genommen werden. Dabei ist jedoch eine Humanisierung der Arbeitswelt, ohne weitere Isolation am Arbeitsplatz, oberstes Ziel.

Innovationen dürfen sich nur für den Menschen auswirken.

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  1. Der Mensch muss Herr der Technik bleiben

Technologien aller Art sind auch einsetzbar für die Zerstörung, Umweltgefährdung oder Herrschaft über Andere, d. h. es gibt keine Zwangsläufigkeit in ihrer Anwendung. Über gut oder schlecht entscheidet nicht die Technik, sondern der Mensch und die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen er jeweils lebt. Oft werden erst nachträglich unerwünschte und unerwartete Konsequenzen technischer Entwicklung bzw. die zunehmende Bedeutung von Symptomen erkannt, die man auf eine Reversibilität überprüfen sollte.

Andererseits kann man Entwicklungen positiv lenken und sie als Instrument zur Schaffung besserer Gesellschaftsbedingungen einsetzen.

Notwendig ist daher ein kritisches Bewusstsein und die Entscheidungsfreiheit der Bürger. Eine Verantwortung der Wissenschaft allein für alle möglichen Folgen und Anwendungen ihrer Erkenntnisse darf ihr nicht vorschnell zugesprochen werden, so als habe sie oder der jeweils erfolgreiche Forscher die alleinige moralische Verantwortung.

Technik kann und muss als Chance begriffen werden, deshalb muss sie vom Menschen beherrschbar sein, um zu erkennen, wo diese Chancen liegen, sie zu nutzen und die Risiken zu minimieren.

Beherrschung liegt vor, wenn es gelingt, Ziele durchzusetzen, d.h. negative Folgen des Technikeinsatzes abzuwenden und Chancen für Verbesserungen zu verwirklichen.

Der Angst vor dem technologischen Fortschritt setzen die Jungen Liberalen eine Gesellschaft aktiver Bürger entgegen, die die Herausforderung und Probleme der neuen Technologien optimistisch aber veränderungsbereit, selbstbewusst und kritisch angeht.