Frauenquote? Das können wir besser!

Die Jungen Liberalen begrüßen, dass die FDP durch einen Arbeitskreis an den strukturellen Problemen innerhalb der Partei arbeitet. Wir sehen die Notwendigkeit, liberale Politik – und damit auch unseren Verband – insgesamt attraktiver für Frauen zu gestalten. Eine Quotierung der Vorstände lehnen wir als Weg allerdings strikt ab.

Für die Jungen Liberalen steht das Individuum im Zentrum unserer freiheitlichen Gesellschaftsordnung. Zuschreibungen und Stereotype aufgrund des Geschlechts lehnen wir entschieden ab. Jeder hat das Recht, sich frei von Regeln entfalten zu können, die das Individuum geschlechtsbezogen in Kollektiven erfassen. Anknüpfungspunkt für die Vergabe von politischen Ämtern sind Qualifikation und Eignung. Eine Vergabe nach Kriterien wie Geschlecht, Herkunft, Ethnie, oder sexueller Orientierung lehnen wir ab. Durch eine Quotierung der Vorstände würde sich der Fokus bei der Beurteilung möglicher Kandidaten für Ämter von ihrer Befähigung auf ihr Geschlecht bewegen. Wir glauben, dass eine Quote unseren starken weiblichen Mitgliedern nicht gerecht wird, sondern sie im Gegenteil auf ihr Geschlecht reduziert.

Die Jungen Liberalen sehen die Notwendigkeit, aktiv für ein Umfeld einzutreten, das allen liberal denkenden Menschen in Deutschland eine optimale Grundlage für ihr politisches Engagement bietet. Das erfordert ein verstärktes Engagement auf allen Ebenen der JuLis und auch der FDP. Hierzu bedarf es eines umfassenden, dauerhaften Konzeptes. Wir stellen fest, dass das Engagement bei der FDP und den JuLis derzeit von liberal denkenden Frauen besonders häufig als unattraktiv empfunden wird. Um dies zu ändern, schlagen wir folgende Schritte vor:

  • Eine Evaluation unserer Außenwirkung, der Öffentlichkeitsarbeit und der Ansprache von Interessierten
  • Einen niedrigschwelligen Einstieg in das Engagement, indem Interessierte und Neumitglieder aktiv angesprochen, zum Engagement motiviert, Orientierung gegeben und Ansprechpartner aufgezeigt werden
  • Auf eine einladende und respektvolle Gruppenkultur und -Kommunikation hinzuwirken; Teambuildingmaßnahmen und andere gemeinschaftsstiftende Veranstaltungen einzuführen bzw. zu vertiefen
  • Die Evaluation bestehender Veranstaltungsformate im Hinblick auf ihre Attraktivität für unterrepräsentierte Gruppen
  • Die Entwicklung neuer Veranstaltungsformate, die Vernetzungsmöglichkeiten für bislang unterrepräsentierte Gruppen bei den Jungen Liberalen schaffen
  • Stärkere Sensibilisierung der Funktionsträger, aber auch aller Mitglieder für Sexismus; Gegenseitige Unterstützung und deutlicher Widerspruch bei sexistischen Aussagen; Fehlverhalten soll konsequent geahndet werden
  • Vorbilder stärker und in den Vordergrund rücken.
  • Auch zurückhaltendere Menschen proaktiv auf zu besetzende Posten ansprechen und motivieren, sich dieser Herausforderung zu stellen
  • Transparenteres Aufzeigen von Anforderungen für Ämter
  • Sexistischen Kommentaren in Wahlkämpfen und Findungsprozessen klar entgegentreten; klare Betonung von Kompetenz und erwartetem Engagement als leitenden Entscheidungskriterien
  • Der Bundesvorstand der Jungen Liberalen wird beauftragt, eine Kommission einzusetzen, welche über weitere Schritte auf dem Weg zu einem Verband, in dem sich jeder liberal denkende Mensch wohlfühlen kann, debattiert und einen Plan entwickelt, welcher zur Diskussion gestellt wird.
  • Es müssen in allen FDP-Landesverbänden schnellstmöglich Ombudspersonen etabliert werden, die sich auch mit dem Aufgabenschwerpunkt von Fehlverhalten wie Sexismus beschäftigen.
  • Parteiengagement muss auch abseits klassischer Präsenzveranstaltungen möglich sein. Daher fordern wir digitale Mitmachangebote, um vielfältige Lebensmodelle mit dem Engagement bei den Jungen Liberalen vereinbaren zu können. Die FDP soll sich daran auch ein Vorbild nehmen.
  • Alle hier genannten Maßnahmen zur Förderung von Frauen müssen regelmäßig hinsichtlich ihrer Wirksamkeit überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
  • Am Ende steht für uns Junge Liberale das Ziel, viele Frauen für unsere Themen zu begeistern und sie zu aktiver Mitarbeit zu animieren. Wir sind überzeugt, dass wir als Verband mit einer breiter aufgestellten Programmatik und neuen Formen der politischen Arbeit für alle liberal denkende Menschen eine Atmosphäre schaffen können, in der sie sich gerne einbringen können – und wollen. Mit steigendem Anteil an der Mitgliederzahl sind wir zuversichtlich, mittelfristig mehr Frauen für die Vorstandsarbeit begeistern zu können.